Entdeckt: Die Edition Erdmann

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erdmann

Ich mag Reiseliteratur. Speziell die von Frauen geschriebenen, historischen Reiseerzählungen. Ich finde es einfach sehr spannend, von ungewöhnlichen Frauen zu lesen.

Beim Stöbern im Netz stieß ich auf die Edition Erdmann, die zum Verlagshaus Römerweg gehört – spezialisiert auf historische Reiseliteratur. Beim Lesen des Verlagsprogramms bekam ich Fernweh. So viele Bücher, die so interessant klingen! Ganz oben auf meiner Wunschliste steht die Reihe „Die kühne Reisende“ – Frauen als Reisende und Entdeckerinnen. Leider fand ich auf der Verlagsseite keine Übersicht über die bisher erschienen Bücher der Reihe, deshalb hier eine Auflistung:

Vier Bücher sind vor kurzem bei mir aufgezogen und ich freue mich schon auf Marokko, Persien, Palermo  – und schließlich die ganze Welt: erdmann

Lesetipp: Kulinarische Krimis!

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hillenbrand

Eigentlich mag ich Fisch. Auch bei Olivenöl sage ich nicht grundsätzlich nein. In den letzten Tagen muss ich aber gestehen, habe ich diese Lebensmittel mit einem unguten Gefühl im Bauch betrachtet. Sind die Zutaten wirklich echt? Oder ist da irgendwas gepanscht? Wo kommt der Fisch her, den ich esse?

Ich las nämlich in den letzten Tagen drei Krimis von Tom Hillenbrand – kulinarische Krimis, weil der Amateurdetektiv Xavier Kieffer ein Koch ist, der ein eigenes Restaurant hat. Kein Chichi Restaurant, aber auch kein Imbiss, sondern bodenständige luxemburgische Küche. Dummerweise hat er eine Neigung dazu, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen und so beschäftigt er sich mit toten Sushiköchen in Frankreich, Olivenhändlern in Italien und staunt über Spekulationen mit Lebensmitteln an der Börse.

hillenbrand

Wer jetzt Lust auf leckere Krimis hat, bei denen einem erst das Wasser in den Mund zusammenläuft, die aber am Ende doch schwer im Magen liegen, dann wäre „Teufelsfrucht„, der erste Teil der Serie, ein guter Anfang!

Alice Hoffman: Wo Bleiben Vögel im Regen

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hoffman

Das vorletzte (deutsche) Buch von Alice Hoffman auf meinem SuB ist eine Ausgabe mit zwei dünneren, älteren Romanen, erstmals erschienen die Bücher in den 1980er Jahren. Eigentlich hatte ich vor, beide Romane hier zu rezensieren, aber da ich über das erste Buch schon so viel geschrieben habe und keine Ahnung habe, wann ich den zweiten lese, belasse ich dabei – und vielleicht wird es dann nochmal eine Rezension zu „Die Nacht der Tausend Lichter“ geben.

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In „Wo bleiben Vögel im Regen“ geht es um eine ganz normale Familie in Neuengland. Die klassische Vater, Mutter, Tochter, Sohn Variante. Es gibt die üblichen Streitigkeiten, die erste Liebe zwischen den Eltern ist weg, die Kinder werden langsam größer – bald wird die Tochter in die Pubertät kommen. Es ist Sommer, August, die Kinder haben Ferien. Charlie, der Sohn, beobachtet Morcheln, die Tochter Amanda ist die beste Turnerin in der Schule und hofft insgeheim auf eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen. Doch in diesem Sommer ist sie krank – immer wieder hat sie Fieber, hat abgenommen, Schmerzen. Zuerst denken die Eltern an simple Erkältungen, doch irgendwann reicht das nicht mehr und sie erhalten die schockierende Diagnose: Aids. Übertragen durch eine Bluttransfusion einige Jahre zuvor. Es gibt kein Heilmittel, nichts kann die Krankheit jetzt noch verzögern, nur die Beschwerden können gelindert werden. Als wenn das nicht schlimm genug ist – die Einwohner der Kleinstadt sind entsetzt und panisch. Charlies Freund darf nicht mehr mit ihm spielen. Amanda will unbedingt weiter zu Schule gehen, doch die anderen Eltern haben Angst, verlangen, das sie ausgeschlossen wird. Trotz den ganzen Aufklärung, die Kinderarzt und Schule betreiben.

1988, als das Buch erschien, war ich 13 Jahre alt und ich erinnere mich noch gut an die Panik, die die Leute damals hatten. Es gab viel Aufklärung und trotzdem hatten die Menschen Angst. Manche behaupteten noch, das nur Schwule „sowas“ kriegen würden, andere dagegen hielten es nur für eine Frage der Zeit, bis die Menschheit davon ausgerottet wurden. Und dann gab es Menschen – gerade auf dem Land – die es für unwahrscheinlich hielten, das sich gerade bei ihnen im Dorf jemand damit anstecken würde. Meine Eltern hatten jedenfalls sehr viel mehr Angst davor, das ihre minderjährige Tochter schwanger werden könnte, als sich HIV einzufangen.

Das Buch unterscheidet sich insofern von anderen Büchern der Autorin, weil hier der magische Realismus fehlt. Eigentlich ist es das Element, das mir immer so besonders gut an den Büchern gefällt, aber hier bin ich ganz froh gewesen, das dem nicht so war. Es hätte einfach nicht gepasst. Stattdessen gibt es aber ein sehr eindringliches Buch über Menschen in einer Ausnahmesituation. Erzählt wird es dabei aus Sicht der verschiedenen Personen. Die Geschichte wird dabei nicht nur von der Familie selber erzählt, sondern auch der behandelnde Kinderarzt, die Schuldirektorin, Freunde und andere Verwandte kommen zum Zug. Natürlich ist die Geschichte sehr traurig, aber es wird nicht ständig permanent auf die Tränendrüse gedrückt, sondern es passiert einfach so. Gleichzeitig gibt es zwischendurch auch schöne Momente, wenn Menschen wieder miteinander reden können, ihre Sprachlosigkeit überwinden.

Definitiv eine Leseempfehlung!

OT: At Risk

BuchSaiten – BlogParade: Jahresabschluss 2016

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Ich wünsche allen ein schönes neues Jahr! Und was könnte am heutigen Tag passender sein, als ein kleiner Jahresabschluss? Bereits in den letzten Jahren habe ich mich am Jahresende immer sehr gerne an der BuchsaitenBlogparade beteiligt. Bisher fand das ganze immer bei Katrin von Buchsaiten statt, aber dieses Jahr ist die Blogparade umgezogen und wird nun von „Die Liebe zu den Büchern“ veranstaltet. Aber sonst bleibt alles beim alten und so werde ich mich nun den Fragen widmen.

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Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? (und Begründung)

Ich ärgere mich immer noch ein bisschen, das ich keine Rezension zu dem Buch geschrieben habe, aber ich las es Anfang des Jahres, als ich noch ein bisserl an Blogunlust litt.
„Die Lebenden und die Geister“ von Diane Meur habe ich vor einiger Zeit aus einer Mängelexemplar Kiste gezogen und irgendwann zur Hand genommen – ohne große Erwartungen. Bekommen habe ich dann eine faszinierende Familiengeschichte aus Galizien, spannend erzählt aus der Sicht des Hauses. Ich würde zu gerne mehr von Diane Meur lesen, leider fand ich keine weiteren Bücher.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? (und Begründung)

Die größte Enttäuschung war „Der Trumpf des Toten“ von Georgette Heyer. Ihre anderen Krimis habe ich sehr gerne gelesen, aber das war einfach nur eine merkwürdige Geschichte mit einem äußerst unbefriedigendem Ende.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ich habe einige neue Autoren lesengelernt. Aber es gab nur eine Autorin, von der ich dieses Jahr gleich zwei Bücher gelesen habe, die ich beide sehr gut fand: Marjane Satrapi. Gelesen habe ich neben „Persepolis“ auch noch ihr neueres Werk „Sticheleien“. Beide Graphic Novels bestechen durch klare, aussagekräftige Zeichnungen und bissige Dialoge. „Huhn mit Pflaumen“ steht hoch auf meiner Wunschliste!

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

„Im Schatten des Banyanbaums“ von Vaddey Ratner. Eine unglaublich tragisches und grausames Buch, das über eine Familie in Kambodscha zur Zeit der Roten Khmer erzählt. Das melancholische Cover passt perfekt zum Inhalt des Buches.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2017 lesen und warum?

„Das achte Leben (Für Brilka)“ von Nino Haratischwili. Gekauft habe ich das Buch schon Ende letzten Jahres, ich war auf einer Lesung, die mich begeistert hat, ich fand die ersten 200 Seiten großartig – trotzdem habe ich das Buch irgendwann zur Seite gelegt und nicht wieder zur Hand genommen. Ein Fall von „Falsches Buch zum falschen Zeitpunkt“. Nächstes Jahr ist hoffentlich der richtige Zeitpunkt…

Sachbücher 2016

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sachbücher 2016

Nachdem ich 2014 und 2015 an einer Sachbuch-Challenge teilgenommen habe, war das letzte (und auch das nächste Jahr!) ohne Challenge. Trotzdem sind Sachbücher ein Teil meiner Lektüre geworden, den ich nicht mehr missen möchte. Speziell für Winterkatze und alle anderen interessierten eine kurze lange Liste über die 24 Sachbücher, die ich las – über Reisen und Feminismus, Naturwissenschaftliches und Geschichtliches. Die Reihenfolge ist chronologisch. ;)

Sven Beckert: King Cotton. Eine Geschichte des globales Kapitalismus.
Ein Buch über Baumwolle – besser gesagt, über den Einfluss, den die Baumwolle auf die Weltgeschichte hatte. Eigentlich ein spannendes Thema, das mir aber zu trocken umgesetzt wurde.

Charlotte Lyne: Alles über Shakespeare
Das Buch habe ich bei Goodreads mit vier Punkten bewertet – also muss es mir gefallen haben. Leider weiß ich kaum noch etwas zum Inhalt – sooo gut war es im Nachhinein wohl doch nicht.

Charles C. Mann: Kolumbus‘ Erbe
Großartiges Buch über die Folgen der Globalisierung auf Fauna und Flora. Lesetipp!

Alain de Botton: Die Nachrichten
Auch das ein Buch, zu dessen Inhalt ich nichts mehr sagen kann – aber ich weiß noch, das es mir nicht besonders gut gefiel.

Michael Pollan: Kochen. Eine Naturgeschichte der Transformation
Teilweise etwas weitschweifig, aber trotzdem ein interessantes Buch darüber, wie sich das Kochen über die Jahrhunderte verändert hat. Vieles probiert er selber aus – Brot backen, Bier brauen, Käse machen und Grillen – letzteres klingt einfacher als es ist. ;)

Deborah Feldman: Unorthodox
Unbedingt lesen! Deborah Feldman ist in New York bei den Satmarer Chassiden aufgewachsen – orthodoxe Juden, die den Holocaust als Folge mangelnder Frömmigkeit interpretieren und deshalb fanatisch streng sind. Das Buch wird teilweise als autobiografischer Roman betitelt – ich würde es eher als Erinnerungen bezeichnen, wobei es aber wirklich sehr gut geschrieben ist. Definitiv empfehlenswert ist ein Besuch einer Lesung!

Wolfgang Behringer: Tambora und das Jahr ohne Sommer
Der Vulkanausbruch mit den globalen Auswirkungen – mit den letzteren beschäftigt sich der Autor – manchmal etwas trocken, meistens aber interessant geschildert.

Dava Sobel: Längengrad
Das Buch hatte ich schon ewig auf dem Kindle, sogar schon mal angefangen und abgebrochen. Bei dem erneutem Versuch lies es sich nun viel leichter lesen und so ist die Suche nach der Bestimmung des Längengrades auch ein Stück weit Entdeckergeschichte.

Lena Gorelik: „Sie können aber gut Deutsch!“
Die Autorin fordert keine Toleranz – sondern Akzeptanz, ein ganz normales Miteinander. Und das für jemanden, der in Deutschland aufwuchs, eine Beleidigung ist, wenn man das „gute Deutsch“ lobt, sollte eigentlich jedem klar sein.

Anne Siegel: Frauen Fische Fjorde. Deutsche Einwanderinnen in Island
Beleuchtet ein spannendes Thema, von dem ich keine Ahnung hatte! Nach dem 2. Weltkrieg herrschte in Island Frauenmangel und so warb die isländische Regierung ganz aktiv in Deutschland um junge Frauen, die sich für ein oder zwei Jahre verpflichteten. Der Plan, das die Frauen danach bleiben würden, ging in einigen Fällen auf. Beschrieben werden die Lebenswege mehrere Frauen – zuerst ihr Leben in Deutschland, dann ihr weiteres nach der Auswanderung. Natürlich war es nicht immer rosig, manche hatte auch in Island Pech mit den Arbeitgebern oder den Männern. ;)

Kej Hielscher, Renate Hücking: Pflanzenjäger
Seit sich die Menschen exotische Pflanzen wie Kakteen, Palmen und Orchideen als Deko ins Haus holen, seitdem gibt es Pflanzenjäger. Teilweise haben diese einen wahren Raubbau an der Natur veranlasst, trotzdem fand ich das Leben der verschiedenen Personen interessant erzählt.

Werner Biermann: „Der Traum meines ganzen Lebens“. Humboldts amerikanische Reise
F
aszinierende Beschreibung – mit dem Fokus auf die Reise Humboldts, aber auch die Vorbereitungen und die Auswirkungen danach wurden erzählt.

Stephan Orth: Couchsurfing im Iran
Urlaub im Iran kann von vielen Menschen nur noch vom Urlaub in Nordkorea übertroffen werden. Und Couchsurfing ist im Iran offiziell verboten, wie viele andere Dinge auch. Gemacht wird es trotzdem und so sind die Einblicke, die Orth im Iran hat, auch anderes als viele andere. Manches mal ist es zum Lachen, manchmal blieb mir das Lachen aber auch in der Kehle stecken.

Bill Laws: Ziebel, Safran, Fingerhut. 50 Pflanzen, die unsere Welt verändert haben
Nahrungsmittel wie Reis, Kartoffeln, Mais, aber auch Tabak, Hopfen, Wein, Baumwolle und Flachs hatten und haben Einfluss auf unser Leben. Zu jeder Pflanze gibt es ein kurzes Porträt, so eignet es sich auch gut Nachschlagewerk.

Jim Masselos: Imperien Asiens
Stellt einige vergangene asiatische Reiche vor – z.b. die Khmer, die Mongolen, die Osmanen, etc. Es gibt einige schöne Bilder, aber insgesamt ist das Buch extrem oberflächlich. Für einen kurzen Überblick reicht es aber.

Susanne Kippenberger: Das rote Schaf der Familie
Ein Buch über die Mitford-Schwester – mit dem Fokus auf Jessica. Ihre Schwestern sorgten für Skandale mit Affären und / oder mit der Verehrung des Nationalsozialismus. Jessica dagegen trat sogar in die kommunistische Partei ein und sorgte so auf ihre Weise für Skandale.

Margarete Stokowski: Untenrum frei
Stokowski schreibt für Spiegel online Kolummnen, die man(n) meist gar nicht gefallen. Ich mag ihre Bissigkeit, ihre unbeirrte Überzeugung für den Feminismus und so mochte ich auch das Buch – wobei ich manche Erfahrungen glücklicherweise nicht machen musste.

Chimamanda Ngozi Adichie: Mehr Feminismus! Ein Manifest und vier Stories.
Ein kleines, dünnes Büchlein, das sich natürlich auf die Rolle der Frau in Nigeria bezieht – aber vieles davon ist universell anwendbar.

Michael Büker: „Ich war noch niemals auf Saturn“
Planten, Sterne – für mich böhmische Dörfer. Ein bisschen hat sich das nach dem Buch geändert, denn es erzählt in einfachen, spannenden Worten von einer Reise durch das Universum.

Herfried Münkler: Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918.
Dafür braucht es definitiv einen langen Atem und so habe ich auch mehrere Wochen an dem Buch gelesen. Aber es hat sich gelohnt – ich weiß nun ein bisschen mehr über den 1. Weltkrieg.

Douglas Smith: Der letzte Tanz
Das die Zarenfamilie nach russischen Revolution starb, ist bekannt. Aber wie erging es dem restlichen Adel? Alle ausgewandert? Gestorben? War war mit den nachfolgenden Generationen – Kinder, die erst nach der Revolution geboren wurden? Spannend umgesetztes Thema!

Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
Für mich schon fast ein Pflichtkauf – aber es war ein sehr interessantes Buch über die seinen beruflichen Werdegang, aber auch über die Literatur und deren Schöpfer im Allgemeinen.

Margareta Strömstedt: Astrid Lindgren. Ein Lebensbild.
Leider hatte ich mir unter „Lebensbild“ mehr vorgestellt – es wurden aber fast nur die Kindheit und Jugend beleuchtet. Im zweiten teil gab es dann Analysen ihrer Bücher. Das alles war nicht richtig schlecht, aber ich hatte anderes erartet. Mich hätte gerade die Erwachsene Lindgren mehr interessiert.

Nadine Lashuk: Liebesgrüße aus Minsk
Hier konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen – ein Reisebuch lesen und für mein Europa Projekt Weißrussland auf informative und humorvolle Art abhaken. Lesenswert!

Ruth Cerha: Bora. Eine Geschichte vom Wind

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Bora: „trocken-kalter Fallwind an der dalmatinischen Küste“. So lautet die Definition des Duden. In dem Buch von Ruth Cerha spielt der Bora eine Nebenrolle, aber keine unwichtige.

bora

Die Hauptrolle spielt Mara, eine Schriftstellerin, die jedes Jahr aus Wien auf die Insel fährt um dort zu schreiben, sich zu erholen. Diesmal hat sie die Erholung nötiger als sonst, die Beziehung zu ihrem  Verlobten, S., ist kurz vorher in die Brüche gegangen. Doch im Gegensatz zu sonst kann sie nun nichts schreiben, ihr fallen keine Geschichten, keine Worte ein. Für jemanden wie Mara, die sonst immer sehr diszipliniert schreibt, eine Katastrophe. Sie wird das Gefühl nicht los, das sie so ihre Daseinsberechtigung verlieren wird oder vielleicht schon verloren hat? Sie stellt sich vor, das sie von Männern einer unbekannten Behörde geprüft wird.

In dieser Situation trifft sie Andrej. Der Kosmopolit ist Fotograf, reist durch die Welt und kommt doch immer wieder auf diese Insel zurück. Seine Eltern sind haben hier gelebt, bis sie in die USA auswanderten, er ist dort geboren. Schon bei der ersten Begegnung fühlen sich beide voneinander angezogen, es scheint einfach perfekt zu passen. Doch dann kommt Andrej’s Mutter auf die Insel und Mara stellt immer mehr Fragen, die Auswanderung betreffend.

Das Buch ist in drei Abschnitte unterteilt und auch wenn der größte Teil des Buches aus der Sicht von Mara erzählt wird, so kommt Andrej zwischendurch auch zu Wort. Hatte ich vorher noch einen eher unbestimmten Eindruck von ihm, so wurde mir seine Person damit sehr viel deutlicher. Seine Handlungen, die ich vorher seltsam fand, wirkten nun logischer.

Es klingt nach leichter Strandlektüre, spricht aber auch andere Themen an: Die Auswanderung aus dem damaligen Jugoslawien unter Tito, aber auch die bisherige Lebensgeschichte von Mara und Andrej. Beide fühlen sich zwar jeweils zum anderem hingezogen, anderseits sind auch beide sehr unabhängige Persönlichkeiten, die sich ja nicht einschränken wollen. Mara hat zudem noch Angst, das aus ihrem Verlangen zu Andrej nur die biologische Uhr spricht – obwohl sie bisher nie Kinder wollte, auch jetzt nicht. Aber vielleicht sind es doch nur ihre Hormone, die sich fortpflanzen wollen, egal, was sie davon hält? Und Andrej vermutet bei sich selber eine Midlife-Krise. Denn um die 40 kann es doch nur das sein – oder?

Eine wunderbare, kleine Geschichte, die eine kleine Insel so bildhaft darstellt, das ich sogar bei Regen das Gefühl hatte, die Sonne würde brennen…

Frohes Fest!

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Sonstiges

Ich wünsche allen ein schönes Weihnachtsfest – ich hoffe, ihr habt geruhsame Tage und keinen Weihnachtsstress. Ich für mein Teil werde den Heiligabend in einem netten Cafe beginnen und später meinen „Weihnachtsbaum“ anzünden. ;)